Unvorstellbares Austoben

In Untermeitingen

In der Tagespflege Haus Xaver in Untermeitingen zeigt sich, wie Veränderung oft leise beginnt. Nicht mit großen Ankündigungen, sondern mit einer Idee und mit Menschen, die bereit sind, neue Wege zu gehen.

Die Idee entstand bereits im Jahr 2022. Was zunächst als Konzept begann, wurde durch Schulungen über die PflegeLeicht-Akademie Schritt für Schritt zur Praxis. Aromapflege, basale Stimulation und Akupressur hielten Einzug in den Alltag beim Pflegedienst Kerner.

Heute ist daraus ein fester Bestandteil geworden. Drei Tage in der Woche widmet sich eine Mitarbeiterin – Elli – ausschließlich diesem Bereich. „Das ist das Tolle in der DF. Wir haben hier durch die Akademie eine Chance, uns weiterzubilden, uns auszutoben“, beschreibt es Hausleitung Nicole. Und dieses „Austoben“ zeigt Wirkung:

Ein Beispiel ist Herr Fischer. Nach einem Unfall ist er seit vier Jahren Pflegegast und litt lange unter starken Verdauungsproblemen. Teilweise funktionierte kaum noch etwas, Medikamente gehörten zum Alltag. Ende Januar begann die Akupressur – und bereits in der ersten Woche zeigte sich eine deutliche Verbesserung. Schritt für Schritt stabilisierte sich seine Situation so weit, dass er heute bestimmte Medikamente nicht mehr benötigt. Seine Frau wurde angeleitet, sodass die Anwendung auch im Alltag funktioniert.

Auch Ingrid Prüdig, die an COPD leidet und dadurch unter Schlafproblemen und innerer Unruhe, berichtet von ihren Erfahrungen. Vor der Anwendung war sie oft angespannt und emotional belastet. „Und mit einem Mal war Ruhe. Ich war ausgeglichen. Vorher war ich den Tränen nah – danach ging es mir gut. Es ist eigentlich unvorstellbar.“ Ein kleines Akupressur-Pflaster reichte aus, um eine spürbare Veränderung herbeizuführen.

„Du musst es wollen, es ist zeitaufwendig – aber der Erfolg spricht für sich“, meint Elli. Besonders deutlich wird der Erfolg bei Menschen mit Demenz. Durch den gezielten Einsatz von Aromapflege und Akupressur konnte die Bedarfsmedikation um bis zu 80 % reduziert werden. „Medikamente haben viele Nebenwirkungen und können anhängig machen, sorgen für Unruhe. Wenn man das schafft, diese Medikation zu verringern oder sogar abzusetzen, ist das ein großer Erfolg“, freut sich Nicole.

Und Die Maßnahmen gehen weit über einzelne Anwendungen hinaus. Hand- und Unterarmmassagen, Duftöle im Diffusor, Riechstifte, Raumsprays und sogar Salzpeelings sprechen alle Sinne an. Musik, Licht und gezielte Reize schaffen eine beruhigende Atmosphäre. Im Sommer werden zudem Kräuter eingesetzt – zum Fühlen, Riechen und Schmecken. Erinnerungen werden geweckt, oft positive. Selbst Menschen ohne verbale Rückmeldung zeigen Reaktionen.

Und damit soll nicht Schluss sein: In der Alten- und Krankpflege-WG Haus Vitus über der Tagespflege soll das Konzept auch vermehrt umgesetzt werden und es sind weitere Fortbildung bei der PflegeLeicht-Akademie geplant. Oder wie es Ingrid Prüdig sagt: „Sie machen sich immer wieder neue Gedanken“.